FAQ

Häufige Fragen / Freqently Asked Questions (FAQ)

Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD)

Was versteht man unter craniomandibulären Dysfunktionen?

Der Begriff „craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD)" umfasst eine Reihe klinischer Symptome der Kaumuskulatur und/oder des Kiefergelenks sowie der dazugehörenden Strukturen im Mund- und Kopfbereich. Der Begriff Myoarthropathie sowie die englischsprachigen Ausdrücke „Temporomandibular Disorders" (TMDs) und „Craniomandibular Disorders" (CMD) entsprechen im Wesentlichen der oben genannten Bezeichnung. (Definition gemäß DGFDT

Was sind die Ursachen für schmerzhafte CMD?

Unter schmerzhafter CMD bzw. orofazialen Schmerzen versteht man Schmerzen und damit verbundene Symptome, die im Gesicht, im Mund, in den Kiefern, im Kopf und im Nacken auftreten. Sie können von den Muskeln, den Kiefergelenken, den Nerven, den Zähnen oder dem umgebenden Gewebe ausgehen und sich als schmerzende, stechende, brennende oder druckartige Beschwerden äußern. Da diese Strukturen komplexe Nervenbahnen gemeinsam nutzen, überschneiden sich orofaziale Schmerzen häufig mit Kopfschmerzen, Kieferfunktionsstörungen, Zahnschmerzen, Ohrbeschwerden und schlafbezogenen Atemproblemen, weshalb eine genaue Diagnose sinnvoll ist. Häufigste Ursache ist eine chronische Verspannung der (Kau)muskulatur. Ungewöhnliche Gelenkgeräusche hingegen kommen in der Regel von einer fehlgelagerten Knorpelscheibe (Knacken) oder einem Verschleiß des Gelenkknorpels (Reiben).

Habe ich eine behandlungsbedürftige CMD?

Nachfolgend finden Sie drei Screeningfragen. Falls Sie eine dieser Fragen mit „Ja“ beantworten und Ihre Zahnärztin/Ihr Zahnarzt keine anderweitigen Ursachen an den Zähnen feststellen kann, könnte bei Ihnen eine CMD vorliegen. Ein schmerzfreies Knacken oder Reiben in den Kiefergelenke ist in der Regel nicht therapiepflichtig, insofern keine Veränderungen des Zusammenbisses der Zähne auftreten.

3Q/TMD – Fragen

Haben Sie einmal pro Woche oder öfter Schmerzen in den Schläfen, im Gesicht, Kiefer oder Kiefergelenken?

Haben Sie einmal pro Woche oder öfter Schmerzen, wenn Sie den Mund öffnen oder kauen?

Blockiert Ihr Kiefer einmal oder öfter pro Woche oder bleibt stecken?

Was sind typische Therapien für CMD?

Die Aufklärung über die Ursachen von CMD und das Selbstmanagement sind eine zentrale Säule in der CMD-Therapie. Dies vermeidet das Risiko einer Katastrophisierung und ermöglicht eine Reduktion schädlicher Gewohnheiten. Hierzu gehört auch das Erlernen von Eigenübungen, bevorzugt unter Anleitung von Physiotherapeuten. Ergänzend können APPs zur Vorbereitung auf oder Erhalt des Erlernten eingesetzt werden (z.B. JawBuddy). Außerdem ist eine ausreichende und regelmäßige körperliche Betätigung ein wesentlicher Pfeiler in der CMD Therapie z.B. durch Yoga, Progressive Muskelrelaxation. Allein durch diese Maßnahmen kann -ohne weitere Begleittherapien- der Leidensdruck oftmals stark gesenkt werden.

Häufig wird neben diesem wichtigen Grundpfeiler ergänzend die Anfertigung von Okklusionsschienen genutzt um die überlasteten Strukturen zu entlasten und pathologische Reflexe zu verlernen. Auch kommen medikamentöse Ansätze wie die gezielte Schwächung der Kaumuskulatur mittels Botulinumtoxin oder die vorübergehende Einnahme von Muskelrelaxantien oder Schmerzmedikamenten zum Ansatz. Für gelenkbezogene Störungen werden auch minimalinvasive chirurgische Maßnahmen wie Gelenkspülungen genutzt. Schmerzhafte CMD Beschwerden lassen sich besonders bei einer Chronifizierung oftmals nur mit medikamentöser Schmerztherapie, welche auch die Einnahme von Antidepressiva beinhalten kann, lindern. (LINK WM „Zur Therapie craniomandibulärer Dysfunktionen“ der DGFDT)

Welche Therapien für CMD sollten nicht angewendet werden?

Primäre Maßnahmen zur Veränderung des Zusammenbisses sind zur Behandlung einer CMD sehr selten notwendig. Insofern entsprechen 2-Phasen-Therapien (erst Okklusionsschiene, später permanente Zusammenbissänderungen mittels okklusaler Veneers oder Kronen) regelmäßig nicht einem wissenschaftlich basierten, zeitgemäßen Behandlungsansatz. Ausnahmen bilden Gebisse mit starkem Zahnverschleiß und Zwangsbisse. Prophylaktische irreversible Ansätze zur Vorbeugung eines Auftretens von CMD entbehren jedoch wissenschaftlicher Grundlage. Umfangreichere chirurgische Eingriffe (Entfernung der Knorpelscheibe, Gelenkersatz) sind Extremfällen vorbehalten.

Ich spiele ein Musikinstrument und habe häufig Schmerzen im Hals- und Nackenbereich?

Intensives Spielen von Instrumenten bedingt oftmals langanhaltende Zwangshaltungen und Überlastung von Strukturen. Ein verstärktes Vorkommen von schmerzhafter CMD bei Musiker:innen ist bekannt.

Was ist Bruxismus?

Bruxismus ist ein Verhaltensphänomen, bei dem es zu wiederholten Aktivierungen der Kaumuskulatur kommt – entweder im Schlaf (Schlafbruxismus) oder im Wachzustand (Wachbruxismus). Diese Aktivität kann das Pressen oder Knirschen mit den Zähnen aber auch das Anspannen der Kaumuskulatur ohne Zahnkontakt umfassen. Bruxismus kann zum Beispiel zum Offenhalten der Atemwege bei schlafbezogenen Atemstörungen nützlich sein (protektive Funktion), schädlich hingegen bei der Überbelastung von anatomischen Strukturen (Gelenke, Muskulatur, Zähne) oder auch harmlos sein. Insofern ist Bruxismus selbst keine Erkrankung oder Störung. Eine ursächliche Therapie von Bruxismus ist derzeit nicht bekannt, weshalb symptombezogen behandelt wird, wenn strukturelle Überbelastungen auftreten  (siehe LL Bruxismus).

Wie merke ich, dass ich mit den Zähnen knirsche?

Es wird in drei diagnostische Stufen unterschieden. Anamnestischen Bruxismus, klinischen Bruxismus und instrumentellen Bruxismus. Letzterer bildet den Referenzstandard, kann jedoch nur unter Ableitung von Muskelpotentialen (Elektromyogramm, EMG) erfasst werden. Da die Eigenaussage sehr unzuverlässig ist, wird zur Diagnostik von Bruxismus gern ein Hilfsmittel genutzt (BruxAPP, nur für iOS verfügbar), welches den Verspannungszustand wiederholt abfragt. Zahnärzt:innen können im Mund klinische Zeichen (Veränderungen an Zunge und Wange, Übermäßige Abnutzung der Zähne) nutzen um die Wahrscheinlichkeit und Intensität des Vorliegens von Bruxismus abzuschätzen.

Ich presse oder knirsche mit den Zähnen, was kann ich tun?

Die Reduktion verstärkender Faktoren (Rauchen, Koffeingenuss) und die Etablierung einer Schlafroutine (regelmäßige zu-Bett-geh-Zeiten) zählen hierzu genauso wie das Durchführen von Entspannungsmaßnahmen vor dem Einschlafen (z.B. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson). Für während des Schlafs auftretende Episoden wird oftmals eine Okklusionsschiene zur Reduktion der Belastung auf Zähne, Muskulatur und Kiefergelenke angefertigt. Auch besteht oftmals die schädliche Angewohnheit die Zähne tagsüber über längere Zeiten fest aufeinander zu pressen. Zum Abtrainieren dieser Gewohnheiten können entweder die Selbstbeobachtung helfen (z,B. unterstützt mittels BruxAPP) oder Schienen mit eingebautem Feedback genutzt werden (z.B. Bruxane,). Auch bestimmte physiotherapeutische Übungen zur Lockerung und Dehnung der Muskulatur können bei regelmäßiger Anwendung Erleichterungen bewirken. Ein neuer Trend ist die Injektion von Muskelgiften (Botulinumtoxin) in übertrainierte Areale der Kaumuskulatur um deren Kraft zu reduzieren.

Sie interessieren sich näher für das Thema CMD? Dann hören sie in den Podcast CMDTalk von Dr. Horst Kares hinein, der über CMD, aber auch verwandte Themen wie die okklusale Dysästhesie informiert.

Dentale Materialunverträglichkeiten / Allergien

Wie häufig treten Materialunverträglichkeiten im Mundraum auf?

Materialunverträglichkeiten treten eher im höheren Erwachsenenalter (Durchschnitt 55 Jahre), häufiger bei Frauen als bei Männern auf und sind mit einer Jahresprävalenz von 0,003% sehr selten. Abgesehen von Anästhetika sind diese stark überwiegend durch Spätreaktionen geprägt (Typ-4 Allergie). Neben Hilfsmaterialien (z.B. Latex in Handschuhen), welche temporäre lokale Symptome hinterlassen können auch im Zahnersatz verwendete Materialien solche Unverträglichkeiten hervorrufen. Bei den Metallen sind vor allem Unverträglichkeiten auf Nickel, Palladium und Kobalt häufig, bei Hilfsstoffen vor allem Perubalsam und Kolophonium und bei Kunststoffen vor allem Methylmethacrylate und Bis-GMA.

Mundbrennen und Rötungen im Mundbereich – sind das immer Allergien?

Nur in einem Teil der Fälle sind die typischen Symptome wie Rötungen, Mundbrennen oder Mundtrockenheit durch eine Allergie verursacht. Häufige andere Ursachen sind Nebenwirkungen von Medikamenten (insbesondere Antidepressiva), Mundsoor, schlecht sitzende Prothesen, Zungenbrennen durch Bruxismus und das Sjögren-Syndrom. Die Symptome können aber auch durch Mangelerscheinung (Vitamin B, Eisen, Zink) oder Veränderungen der Mundschleimhaut (Lichen planus) provoziert werde.

Wie machen sich Materialunverträglichkeiten bemerkbar?

Die Symptome für Materialunverträglichkeiten sind sehr unspezifisch und decken sich teilweise mit anderen Erkrankungen (z.B. Burning-Mouth Syndrom, Sicca-Syndrom). Typische Symptome sind Rötungen oder Wunden der Mundschleimhaut besonders im Kontaktbereich, evtl. auch ein brennendes Gefühl auf den Mundschleimhäuten, Mundtrockenheit und trockene Lippen. Es werden Hinweise gesucht, die auf eine materialspezifische Unverträglichkeit hindeuten. Hierzu gehören, dass die Symptome bereits wenige Tage nach dem Einbringen der Materialien im Mundbereich auftreten bzw. bei abnehmbarem Zahnersatz durch Prothesenkarenz wieder verschwinden. Zu beachten ist hierbei, dass es bei längerem Nicht-Tragen der Prothese dazu kommen kann, dass diese nicht mehr passt.

Mir wird ein Bluttest angeboten. Ist das besser als ein Epikutantest?

Bluttests werden damit beworben, dass durch einen fehlenden Erstkontakt mit dem Allergen keine Sensibilisierung durch den Test selbst erfolgen kann. Bluttests sind vor allem für Metalle und weniger für zahnärztliche Kunststoffe/Komposite spezifisch. Allerdings erfolgt die Bewertung im Labor erfahrungsbasiert und hat deshalb keinen Eingang in die Routinediagnostik gefunden. Deshalb werden die Ergebnisse auch nicht von der gesetzlichen Krankenkasse als Nachweis einer Materialunverträglichkeit anerkannt. Referenzstandard in der Dermatologie ist der Epikutantest.

Für einen Allergietest vereinbaren Sie in Absprache mit Ihrer Zahnärztin oder Zahnarzt einen Termin mit einem Allergologen Ihrer Wahl oder in der Allergologie der Universitätsmedizin Rostock.

Diverses

Sie spielen ein Mundinstrument und haben Probleme mit Ihren Zähnen?

Insbesondere bei professionellen Musiker:innen können Veränderungen im Mundraum im ungünstigsten Fall zur Berufsunfähigkeit führen, da diese hier besonders sensibel reagieren. Die Universitäten Freiburg und die Charité in Berlin bieten spezielle Sprechstunden für Musiker:innen an um Betroffenen zu helfen.